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Am Samstag 3. November fand die Mitgliederversammlung des Vereins Bio Schwand statt. Den rund 60 Mitgliedern und Gästen wurde ein umfassendes Bild geboten, was an der Schwand jetzt schon läuft, was noch werden könnte und welche Hindernisse noch im Weg stehen. Die Versammlung forderte mit einer Resolution die Berner Regierung auf, Bio Schwand als Teil der Zivilgesellschaft zu sehen und sich für entsprechende Rahmenbedingungen einzusetzen. Um die Lichtblicke zu fördern und die Stolpersteine aus dem Weg zu räumen.
Die statutarischen Geschäfte des Vereins Bio Schwand inkl. Statutenänderung zur Erlangung der Gemeinnützigkeit und der damit verbundenen Steuerbefreiung brauchten an der Mitgliederversammlung am 3. November wenig Zeit. Wesentlich länger dauerten die zehn Vorstellungen von bestehenden und geplanten Projekten.
Bereits im Boot
Fünf Organisationen und Projekte, die bereits an der Schwand tätig sind, wurden von den Verantwortlichen vorgestellt:
- Die Stiftung Therapiehof Schwand, die vergangenen Sommer das 25 Jahre Jubiläum feierte, bietet bereits seit 12 Jahren Menschen mit Behinderung verschiedene Therapieformen mit Isländer Pferden an. Neu kommt auch Reiten für (nicht-behinderte) Kinder hinzu. Dieses Projekt ist prädestiniert, sich in Zukunft in das Bio Schwand-Gesamtprojekt einzufügen.
- Seit einem Jahr betreibt die Vatter Gastro AG ihre Produktionsküche an der Schwand und versorgt von hier aus das Restaurant Vatter am Bärenplatz in Bern, das Take-away des Vatter Supermarkts sowie das Catering mit biologischen Menus.
- Die Sativa Genossenschaft übernahm Anfang 2007 einen Teil der Schwand-Gärtnerei. Die Sativa betreibt im ehemaligen Bauerngarten einen Schaugarten und führt im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft Projekte zur Sortenerhaltung durch.
- Zwei gesamtschweizerische Schulen für Biolandwirtschaft haben sich an der Schwand niedergelassen: die Fachausbildung für biologisch-dynamische Landwirtschaft und die Bioschule der Bio Suisse, die zusammen mit dem Inforama des Kantons Bern durchgeführt wird. Beide Schulen führen Blockkurse durch, die Auszubildenden leben während der Blocks im Bio Schwand-Internat.
- Bio Schwand betreibt ein Tagungszentrum, in dem Tagungen verschiedener schweizerischer Bioorganisationen, Kurse der Hauswirtschaftsausbildung, der OdA Soziales, der Jugendfeuerwehr und anderer durchgeführt werden.
Sie wollen an Bord
- Eine Werkstatt für Baku-Keramik möchte Töpfern und Webern für Behinderte und Nichtbehinderte anbieten. Dafür wäre die ehemalige Mühle im Mehrzweckgebäude geeignet.
- Zwei Frauen wollen altes Wissen zu essbaren Blüten auffrischen und weiterentwickeln. Nebst dem Anbau solcher Blüten, die an die gehobene Gastronomie und an Bioküchen geliefert werden sollen, wird auch daran gedacht, fremdsprachige Frauen im Anbau zu integrieren und ihnen Sprachkurse anzubieten.
- An der Schwand gibt es zahlreiche Arbeiten zu erledigen, die sich für begleitete Arbeitsplätze eignen würden – etwa für die Umgebungspflege und für Reparatur- und Restaurationsarbeiten.
- Ein Unternehmer möchte ein Verarbeitungsbetrieb für von der Kuh stammenden Kolostrums (Erstlingsmilch) aufbauen. Kolostrum wurde schon in der Antike verwendet und erfreut sich im Reformhandel steigender Beliebtheit. Bisher wird dieses Nahrungs-Ergänzungsmittel in der Schweiz nicht hergestellt.
- Besonders zentral ist die Übernahme des landwirtschaftlichen Betriebs durch eine Pächtergemeinschaft um Alexandra Meier und Martin Bigler vom benachbarten Oberholz. Die Gemeinschaft, die den Hof übernehmen und auf die biologisch-dynamische Bewirtschaftung umstellen wird, findet sich derzeit zusammen.
Resolution gegen Stolpersteine
Der letzte Teil der Versammlung war dem Rückblick auf die Verhandlungsentwicklung und der aktuellen Problemstellung gewidmet.
Vor Jahresfrist schlossen die Bio Schwand AG und die CoOpera Sammelstiftung PUK mit dem AGG einen Rahmenvertrag ab. Dieser Vertrag betraf in erster Linie die nicht-landwirtschaftlichen Gebäude der Schwand, sah aber Pacht und Unterpacht des landwirtschaftlichen Betriebs Schwand zu den bisherigen Bedingungen vor. Zwei Monate nach Abschluss des Rahmenvertrags wünschte der Kanton einen Systemwechsel, nämlich die Übergabe des Landwirtschaftsbetriebs in Baurecht, worauf sich Bio Schwand einliess. Über Zahlen konnte aber erst ein halbes Jahr später verhandelt werden. Eine Offerte des Kantons enthielt Übernahmebedingungen, die ein Mehrfaches der Belastung mit sich bringt und die Ertragsmöglichkeiten des Landwirtschaftsbetriebs weit übersteigt.
Es gibt gute Gründe den Verkehrswert zum massgebenden Bestimmungsfaktor des Preises zu machen – mindestens dann, wenn Objekte in private Nutzung übergehen. Dies ist bei Bio Schwand nicht der Fall. Bio Schwand vereint zahlreiche Projekte, welche Leistungen im öffentlichen Interesse erbringen. Daher sieht sich Bio Schwand als Teil der Zivilgesellschaft, ohne die kein Staatswesen funktionieren kann.
Mit einer Resolution appellierte die Versammlung deshalb an den Regierungsrat, diesen Projekten im öffentlichen Interesse die notwendigen Rahmenbedingungen zu gewähren und das Baurecht an den Gebäuden des Landwirtschaftsbetriebs zu einem Preis zu übergeben, welcher sich an den Ertragsmöglichkeiten orientiert.
Das kantonale Amt für Grundstücke und Gebäude AGG stellte Bio Schwand vor ein Ultimatum (9. November 2007). Bis dahin soll Bio Schwand die Übernahmebedingungen des Amtes akzeptieren oder den Einfluss auf einen zentralen Teil von Bio Schwand, nämlich den Landwirtschaftsbetrieb, aufgeben. Die zweite Variante würde das gesamte Bio Schwand-Projekt ernsthaft in Frage stellen.
Resolution an den Regierungsrat vom 3.11.2007
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